Wissenswerkstatt: Neugier für Technik wecken

 

Wissen wie ein Roboter funktioniert, wie sich ein Windrad in Gang setzt oder wie man sein eigenes „Knatterboot“ baut: Die Wissenswerkstatt Schweinfurt bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, Phänomene aus Naturwissenschaft und Technik zu erleben, Versuche, Projekte und handwerklichen Arbeiten selbst auszuführen.

Im Erdgeschoss des Rückert-Baus am Martin-Luther-Platz entstanden auf etwa 500 Quadratmetern drei große moderne Werkstätten. Auch wenn der berühmteste Sohn Schweinfurts, Friedrich Rückert, Geisteswissenschaftler war: „Er hätte sich bestimmt gefreut, dass dieser Ort nun den Naturwissenschaften gewidmet wird“, so Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé bei der offiziellen Eröffnung.

Die Wissenswerkstatt soll bei Kindern und Jugendlichen die Neugierde und das Interesse für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik wecken, sagt ihr Vorsitzender und Vertreter der ZF AG, Martin Drescher. Spielerisch experimentieren und Kontakt zur Arbeitswelt knüpfen, könne den allgemeinen Unterricht der Schüler ergänzen. Langfristiges Ziel ist es, den Bedarf der regionalen Industrie, des Mittelstandes und des Handwerks mit Facharbeitern, Technikern und Ingenieuren zu decken. Vielleicht könne das Projekt dazu beitragen, dass wieder mehr junge Leute ihre berufliche Zukunft in Schweinfurt sehen, so Remelé.

Für den Geschäftsführer der Einrichtung, Daniel Thiel, ist das Projekt „phänomenal“ gestartet. Seit kurzem laufen erste Lehrgänge, unter anderem eben das „Knatterboot“, „das man in zweistündiger Arbeit zusammenbaut und am Ende auf dem Wasser fahren lassen kann“. Mit den Vorhaben soll die Kreativität der Kinder gefördert werden. „Wir wollen aber auf keinen Fall eine Konkurrenz zur Schule sein“, betont Markus Dietz, der die Lehrgänge in der Wissenswerkstatt leitet. Wichtig ist für ihn, die Jugendlichen immer wieder zu überraschen und keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Die Idee der Wissenswerkstatt ist nicht ganz neu: „Schweinfurt ist die dritte Stadt in Deutschland mit einer solchen Einrichtung“, berichtet Vorsitzender Drescher. Im Jahr 2007 startete die ZF in Friedrichshafen, 2012 folgte Passau. Das Ziel: An jedem ZF-Standort sollte eine Wissenswerkstatt entstehen – als eingetragener Verein. Trotzdem hat Schweinfurt ein Alleinstellungsmerkmal: „Bei uns haben sich mehrere Firmen aus der Großindustrie zusammengetan. Das finde ich toll und es ist keineswegs selbstverständlich“, so der OB.


„Schweinfurt ist die dritte Stadt in Deutschland mit einer Wissenswerkstatt.“

Martin Drescher,

Vorsitzender Wissenswerkstatt

Neben der ZF Friedrichshafen AG sitzen die SKF GmbH, Schaeffler Technologies und Fresenius Medical Care mit im Boot. Die Stadt Schweinfurt stellt die Räumlichkeiten zu einem ermäßigten Mietzins zur Verfügung, auch der Verein Deutscher Ingenieure vor Ort sowie die Industrie- und Handelskammer Würzburg/Schweinfurt stehen unterstützend zur Seite. Aufbau und Betrieb der Einrichtung sind durch die Zuwendungen der Gründungsmitglieder für erst mal zehn Jahre gesichert.

„Gedacht sind die Lehrgänge für alle von acht bis18 Jahren“, erklärt Thiel bei der Einweihung den vielen neugierigen Besuchern aus Bildungseinrichtungen, Industrie, Wirtschaft und Politik. Die Lehrgänge sind kostenlos. „Lehrer können sie bequem über das Internet buchen und mit ihrer Klasse die Wissenswerkstatt besuchen.“ Dafür sei der Vormittag vorbehalten. Nachmittags gibt es verschiedene Kurse, für die sich die Kinder und Jugendlichen selbst anmelden können.

„Ich finde das Angebot super“, sagt Schaeffler-Azubi Christof Mützel, der drei Wochen lang mit einem Team aus weiteren Auszubildenden bei der Einrichtung der Werkräume geholfen hat. Er zeigt den Besuchern, wie man mit einem glühenden Draht ein Stück Schaumstoff auf den Millimeter genau zurechtsägen kann. Währenddessen sitzt Azubi Gabriel Keller vor einem Mini-Windrad, das er mit Batterien in Gang bringen will. „Da muss ich aber erst noch ein paar Drähte zusammenlöten“, sagt er.

In Zukunft sucht die Wissenswerkstatt auch ehrenamtliche Mitarbeiter. „Außerdem wollen wir den Austausch mit den bestehenden Wissenswerkstätten intensivieren und den Kontakt zu Schulen und Hochschulen in der Region ausbauen“, erklärt Thiel.

Quelle:

Mainpost Artikel