Am Buß- und Bettag: Manchmal dürfen auch Schüler zur Arbeit

Nicht nur die Stadt bot ihren Mitarbeitern am Buß- und Bettag Kinderbetreuung an

Es ist immer wieder faszinierend, Kinder zu beobachten, wie sie ganz versunken und höchst konzentriert an eine Aufgabe herangehen – wenn die nur interessant ist und ihnen genug Freiraum zum Selbstdenken oder Ausprobieren gibt. So gesehen haben die 60 Sechs- bis Zwölfjährigen beim Kindermitbringtag der Stadt Schweinfurt am Mittwoch vielleicht mehr gelernt als an einem normalen Schultag. In beiden Gruppen – in der Wissenswerkstatt im Friedrich-Rückert-Bau und im Atelier unter den Arkaden der Kunsthalle – stiegen die Mädchen und Jungen sofort in die Themen ein.

Gleichstellungsstelle und Kommunale Jugendarbeit hatten das Programm zusammengestellt und dazu nicht nur Kinder der städtischen Angestellten eingeladen, die an diesem schulfreien Buß- und Bettag arbeiten mussten, sondern alle Kinder der Stadt. Um das Thema „Tier“ ging es in der Kunsthalle. Museumspädagogin Friederike Kotouè hatte zwei Werke des Schweinfurter Künstlers Gustl G. Kirchner aus dem Depot geholt: das Gemälde „Die große Dressurnummer“ und die Bronzestatue „Stürmende Hengste“. Die Kinder sahen sofort die Unterschiede in der Darstellung und hörten auch, welche Musik am besten zu welchem Werk passt. Schließlich durften die 40 Mädchen und Jungen zwei Tier-Bilder zum Mitnehmen malen: mit Acrylfarbe und mit Wachskreiden und Tusche.

Gut zwei Stunden Zeit hatten die Kinder, die sich für die Wissenswerkstatt entschieden hatten, um entweder ein Knatterboot oder einen Roboter zu bauen. Das Boot fährt mit Kerzenantrieb. Auf einem Styroporkörper sitzt ein Teelicht, das das Wasser in einem Kupferrohr erhitzt. Das heiße Wasser strömt aus dem hinteren Ende des Rohrs heraus und treibt das kleine Boot an. Nebenan baute die zweite Gruppe einen kleinen Roboter aus Legosteinen. Markus Dietz, Mitarbeiter der Wissenswerkstatt, zeigte ihnen anschließend, wie man ihn programmiert und am Ende des Vormittags bewegten sich die kleinen Maschinen.

Nach dem Mittagessen im Haus Marienthal stand für die Älteren Geocachen auf dem Programm. Die Route führte entlang der Gutermannpromenade, durch den Fischerrain Richtung Kunsthalle. Mit Hilfe von GPS-Geräten fanden die Kinder Punkte, an denen es Fragen zu beantworten galt. Die Kleineren durften zum Spielen und Basteln ins „Fitz“, den Treff für „Familien im Zentrum“ in der Alten Reichsvogtei.
Kinderbetreuung auch bei Horton

Nicht nur bei der Stadt, auch bei der Firma Horton im Gewerbegebiet Maintal hatte man sich Gedanken über ein individuelles Betreuungsangebot am Buß- und Bettag gemacht. Das Resultat: An die zehn Kinder von Mitarbeitern versammelten sich nach einem kleinen Firmenrundgang im Erdgeschoss und bastelten und malten. Ihre Betreuer: Papas und Mamas, die in der Firma arbeiten, die Zulieferer von hochwertigen Motorkühlsystemen ist. In Schichten wechselten sie sich mit der Betreuung ab. Um an das Thema Kühlsysteme anzuschließen, durfte jedes Kind seinen eigenen kleinen Ventilator basteln. Stolz präsentierten die Mädchen und Jungen die Resultate. „Den nehme ich nächstes Jahr mit in den Urlaub nach Kroatien“, sagte die neunjährige Helena begeistert. Auch ihre gleichaltrige Freundin Sophie hatte Spaß, mithilfe der Bastelanleitung ihren eigenen Tischventilator zu kreieren.

Initiiert hatte den „Kids-Day“ Bastian Brand aus dem Bereich Entwicklung. Schon im vergangenen Jahr mussten er und seine Frau am Buß- und Betttag arbeiten und wussten erst mal nicht wohin mit Töchterchen Fiona. Dieses Jahr startete Brand eine Umfrage in der Firma, ob Bedarf bestehe und ging dann zur Geschäftsführung. „Diese war sofort von der Idee überzeugt.“

Der aus den USA stammende Geschäftsführer Thomas Wollin sicherte gleich zu, die Betreuung auch im nächsten Jahr wieder anzubieten. „Es ist eine gute Möglichkeit für die Kinder zu sehen, wo ihre Eltern arbeiten“, sagte er. Zudem gefalle ihm, dass im Rahmen der Betreuung auch Wissen vermittelt wird. „Kinder sind sehr wissbegierig.“ Da komme auch im Bereich Technik schnell Interesse auf. Und vielleicht werde ja sogar der ein oder andere Schritt in Richtung beruflicher Zukunft getan.

Trotz allen Lerneffekts: Ganz besonders freuten sich die Kinder auf's Mittagessen. Denn auf Kosten der Firma durften sie für den großen Hunger Pizza bestellen.

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Basteln statt Schule: Auch beim Betreuungsangebot der Firma Horton ging es kreativ zu.




In der Wissenswerkstatt: Hoch konzentriert bauen die Kinder einen Roboter aus Legosteinen.